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John Marascalcos Ruby-Doo Records | Drucken |
Donnerstag, 28. August 2008

Das Projekt „Good Golly Miss Molly“ spült eine Vielzahl anverwandter Themen ans Tageslicht, wozu eben auch die Plattenlabels des Co-Autoren John Marascalco gehören. Neben Infinity Records, Cee-Jam Records, Lola-Records, Princess Records und Bourbon Street findet sich unter seiner Führung das Kleinstlabel Ruby-Doo, welches als Ableger des etwas größeren Cee-Jam Records gelten kann. Alle Titel der bisher bekannten 8 Singles reihen sich nach ihrer Quelle in den Standard-Nummernblock der Veröffentlichungen auf Cee-Jam Records ein, selbst wenn es entsprechende Originalausgaben auf Cee-Jam nicht zu geben scheint. Die Netzquellen datieren das Label zwischen 1966 und 1968.

Zum ersten Überblick eine Tabelle, bitte auch das Glossar der Labelkunde beachten!

Nr.ArtistYr.Songs123
#1The Trippers1966A: Dance with Me
B: Keep A Knockin' 

x

  
#2The Electras1966A: Little Girl of Mine
B: Mary Mary
 

x

x

#3The Peppermints1966A: My First Love
A: My First Love 

x

  
#4Luis Alvera 1966A: Samba de Orpheus
B: El Corrido

x

  
#5The Trippers 1967A: Taking Care of Business
B: Charlena

x

  
#6Barbara and the Castles1967A: Don't Hurt Me Baby
B: Stoney Face 

x

  
#7The Soul Benefit  A: Yes Sir That's My Baby
B: Charlena 

x

  
#8      
#9      
#10The Joint Effort 1968A: Loving You Could Be Magic
B: Coming Home to You Baby

x

  

Legende:
Side: Die Plattennummer und Quelle in Klammern
Artist: Der/die Interpret/en der veröffentlichten Songs.
Song: Der Titel des Stückes auf der jeweiligen Seite.
Yr.: Das Jahr, teilweise aus Netzquellen, teilweise durch unterstellte Chronologie erschlossen.
Label: Die bekannten Farben
1. orange: die Standard-Stockausgabe mit Balken
2. o REI wb: orangefarbene Nachausgabe mit Balken und Re-Issue-Kürzel im Spiegel
3. o REI wob: orangefarbene Nachausgabe ohne Balken

Labelkunde Ruby-Doo Records

Oben auf dem Label finden wir das Logo „Ruby-Doo Records“, sowie die Adresse: „5531 Tuxedo Terrace, Hollywood California“. Dabei handelt es sich um Johns Bude, da hier auch Cee-Jam und Johns Verlag Robin Hood Music beheimatet ist. Links vom Loch sehen wir Publisher, Verwerter und Songdauer, rechts vom Loch das Format „45 RPM“, in Klammern die Quelle und dann die saubere Gitter-Nummer. Sauber insofern, als dass es für das gesamte Label nur einen Nummernblock gibt, so dass die Ausgaben in ihrer Chronologie geradezu durchgezählt werden. Dass wir bisher für #8 und #9 keine Ausgaben ausfindig machen konnten, ändert nichts an der hübschen Erkenntnis. Obacht! Da die #-Nummer von Ruby-Doo meist deutlich kleiner als die Cee-Jam-Quellenangabe ist, wird bei Internet-Auktionen gerne diese, dann falsche Nummer angegeben! Unten auf den Singles finden wir Titel, Autoren und Interpreten. Die Informationen links und rechts vom Loch werden (normalerweise) durch zwei waagrechte, das Loch schneidende Balken gerahmt, wie wir es auch von der orangefarbenen Originaledition („orange“) von Lola Records kennen (dort Label-Parameter 6).
Allerdings unterscheidet sich das Design der Labels immer wieder durch Kleinigkeiten, manche davon könnten Anlass geben, von eigenen Editionen zu reden, andere hingegen nicht.

  1. Schriftsatz Logo: Ruby-Doo #2 führt das Labellogo in einem Font ohne Serifen, d.h. ohne Strichelchen an den Buchstaben, alle anderen führen eine geschwungenere und filigranere Schriftart.
  2. Schriftsatz „Records“: Nur bei Ruby-Doo #1 schreibt sich das „RECORDS“ aneinander, alle anderen Ausgaben schreiben dies „G E S P E R R T“.
  3. Adresse: Ruby-Doo #2, #3, #4, #6, #7 und #10 führen die gesamte Adresse in Normalschreibung, d.h. beide Zeilen (Zeile 1 mit Straße bzw. Zeile 2 Stadt und Staat) sind in etwa gleich lang und nur die Anfangsbuchstaben sind Majuskeln. Ruby-Doo #1 und #5 hingegen schreiben die zweite Zeile in Großbuchstaben.
  4. Schriftgröße links vom Loch:  Standard ist alles gleich klein und fett. Eine Ausnahme bildet Ruby-Doo #1 mit dünner Schrift von Verlag und Verwerter und großer, fetter Zeitangabe in Großbuchstaben.
  5. Schriftgröße rechts vom Loch: Ruby-Doo #3, #4, #6, #7 und #10 schreiben das Format „45 RPM“ und die Plattennummer „#“ gleich klein und fett, die Quelle „(CJ-…)“ hingegen etwas größer und fett, bei Ruby-Doo #1 sind Format und Nummer hingegen dünn, bei Ruby-Doo #5 Format und Quelle klein und fett, die Plattennummer aber groß und fett, dazwischen liegt die Größe von Format und Nummer von Ruby-Doo #2, die allerdings eine kleine und dünne Quellenangabe führt.
  6. Sortierung rechts vom Loch: Standard scheint Format, Quelle und Nummer zu sein. Bei Ruby-Doo #6 wird zudem der Produzent über das Format gesetzt, bei Ruby-Doo #7 Arrangeur und Produzent unter die Nummer, bei Ruby-Doo #10 der Produzent zwischen Quelle und Nummer.
  7. Die Balken sind grundsätzlich nie ganz gleich dick, sondern variieren von Ausgabe zu Ausgabe.
  8. Schriftgröße unterm Loch: Der Standard ist große und fette Großschrift des Titels, etwas kleiner der Interpret und dazwischen wieder kleiner in Klammern die Autoren. Davon weicht nur Ruby-Doo #1 mit dünn geschriebener Autorenschaft ab.
  9. Der Spiegel wiederholt normalerweise die Quelle und ritzt stets ein „H“ dazu. Ausnahmen bilden hier unsere Ruby-Doo #2, deren A-Seite mit dem Ritzing „RE-I“ eine Nachausgabe vermuten lässt. Ebenso zeigt unsere Ruby-Doo #10 den Hinweise „REI“ im Dead Wax. Da beide Scheiben am billigsten waren, vermuten wir hier eine Serie Nachausgaben und nennen die Edition „o REI wb“, d.h. „orange Re-Issue with bars“, also mit den beiden waagrechten Balken.
  10. Uns liegt ein Scan der Ruby-Doo #2 vor, die unserer Ausgabe gleicht bis auf die fehlenden Balken. Diesen Unterschied kennen wir bereits von den beiden orangefarbenen Serien auf Lola Records. Wir vermuten hier eine eigene Serie und nennen sie „o REI wob“, d.h. „orange Re-Issue without bars“.

Alle anderen Unterschiede scheinen uns marginal, weshalb wir alles andere als Original-Stock-Edition „orange“ führen, bis uns weitere Funde und Hinweise (um die wie immer gebeten wird) eines besseren belehren. Wenn überhaupt wären die beiden „orange REI wb“ #2 und #10 aufgrund des Schriftbilds des Logos in Einzelserien zu unterscheiden.

Ruby-Doo #1 - The Trippers - Dance With Me / Keep A Knockin'

    
Ruby-Doo #1 ist ein Krimi. Als Veröffentlichungsdatum wird in Netzquellen gerne 1966 genannt. Die Trippers haben außer dieser Scheibe nur noch Ruby-Doo #5 herausgebracht, ansonsten bleiben die drei Herren mysteriös. Dass es sich um drei Herren handelt, kann vom Picture-Sleeve einer Wiederveröffentlichung abgeleitet werden, die eben drei Jungs zeigt, deren genaue Namen wir aber bisher noch nicht identifizieren konnten. Auf der A-Seite finden wir den sexy Song „Dance With Me“ aus der Feder von Jerry Glenn Carter, James Richard „Rick“ Cliburn und John Marascalco. Jerry und Rick werden 1969 als Bassist und Lead-Gitarrist mit der Blues-Sängerin Gayle McCormick die Band Smith gründen, die bis 1971 bestand und zwei Alben veröffentlichte. Jerry ist weiterhin der Autor der A-Seite der anderen Trippers-Ruby-Doo „Taking Care Of Business“. Das ist ein schöner Anknüpfungspunkt für die Recherche, wie ich finde. Eventuell sind Carter und Cliburn ja 2/3 der Trippers?! Oder aber es handelt sich bei Jerry und Rick um "Rick and Jerry", jenem kongenialen Duo, dessen Veröffentlichung auf Lola #003 uns schon Rätsel aufgab? Als Quelle von „Dance With Me“ wird Cee-Jam #7-A genannt, eine Platte, die es nicht gibt. Hier reiht sich die Nummerierung der Ruby-Doo-Ausgaben nahtlos in jene des Cee-Jam Labels von John Marascalco ein, der natürlich auch seinen Verlag Robin Hood Music bemüht.
Noch spannender ist die B-Seite, auf der eine coole Garagen-Version von „Keep A Knockin’“ zu hören ist. „Keep A Knockin’“ ist ein Blues-Standard, basierend auf einem Volkslied, welches wohl erstmals von James „Boodle-It“ Wiggins im Jahr 1928 aufgenommen wurde. Die Autoren-Credits vieler späteren Versionen beansprucht aber oft „Little“ Richard Wayne Penniman ob seiner furiosen Version auf Specialty 611 aus dem Jahr 1957. So auch hier. Das wäre alles nicht ungewöhnlich, gäbe uns nicht die angegebene Quelle Rätsel auf: Nicht CJ-7-B, sondern CJ-6-B soll die Erstveröffentlichung sein. Cee-Jam #6 ist nun eine Scheibe, die wir noch nicht besitzen, von der wir aber wissen, dass sie Dorsey Burnettes „Bertha Lou“ (auch auf Cee-Jam #16 und in einer Coverversion der Ring-A-Dings, das sind die Valiants, auf Infinity INX-014) auf der A- und ein „Keep A Knockin’“ der „Brothers“ auf der B-Seite bereithält. Denver Harvey, eine angenehme E-Mail-Bekanntschaft aus den Staaten mit reichlich Sammlerleidenschaft und Fachwissen zu den Burnette Brothers bestätigte, dass die Versionen identisch sind und dass die Brothers auf Cee Jam #6-B tatsächlich Johnny und Dorsey sind, die ja bereits auf Infinity INX-001 unter dem Pseudonym „The Texans“ spielten. Entweder sind also die Burnette Brothers identisch mit den Trippers, dann wäre allerdings zwischen Johnnys Todesjahr 1964 und dem vermuteten Ausgabejahr der Ruby-Doo #1 eine Diskrepanz von zwei Jahren. Oder die Version der Brothers wurde schlicht den Trippers untergeschoben und falsch belabelt. Das gilt es herauszubekommen. Der Verlag Venic Music ist der BMI-Verlag von Specialty Records, demnach verdiente Art Rupe (wie so oft) auch an dieser Ausgabe mit.

Ruby-Doo #2 - The Electras - Little Girl Of Mine / Mary Mary

Ruby-Doo #2-A orange REI with bars Ruby-Doo #2-B orange REI with bars 

Ruby-Doo Nummer Zwo wird von alten Bekannten bestritten. Die Electras sind die Nachfolgeband der Valiants, die anno 1957 „Good Golly Miss Molly“ erstveröffentlichten, siehe zu dieser Band den ausführlichen Beitrag von Marv Goldberg. Auf Marascalco-Labeln veröffentlichten die Electras 1961 „Ten Steps To Love“ und „You Lied“ auf Infinity INX-012, 1962 „Boo Babe“ und „The Stomp“ auf Infinity INX-016, ebenfalls 1963 unter dem Gruppennamen The Ring-A-Dings „Snacky Poo Part 1“ und „Part 2“, ein Remake des Burnette-Brothers-Klassikers „Bertha Lou“ (u.a. veröffentlicht auf Cee-Jam #6 und Cee-Jam #16). Weiter finden sich 1962 „You Know“ und „Can’t You See It In My Eyes“ auf der gelben Lola 100, die 1964 auf der orangefarbenen Lola 100 mit „Boo Babe“ als A-Seite wiederveröffentlicht wurde. In der schwarzen Lola-Serie von 1965 bestreiten die Electras Lola #001 mit „Huff & Puff“ und „Mary Mary“. Ferner finden wir 1963 „Boo Babe“ der Electras als A-Seite der violetten Cee-Jam 100 mit „Don’t Tell Me“ der Surgeons als B-Seite. Auch einzelne Mitglieder der Electras erscheinen als Solo-Interpreten (1962 Billy Storm mit „Love Theme From ‚El Cid’“ und „Don’t Let Go“ auf Infinity INX-013, auch 1962 „A Million Miles From Nowhere“ und „Since I Fell For You“ auf Infinity INX-018 und nochmals 1962 „I Can’t Help It“ und „Educated Fool“ auf Infinity INX-023) und über die Autorenschaft der eigenen Stücke hinaus als Songwriter (Warren Joyner für Lee Diamonds B-Seite von Bourbon Street bzw. Lola 100 „Nothing But A Playboy“ von 1961, Billy Storm für Lorenzo Holdens A-Seite auf Cee-Jam #1 „The Wig“ von 1964, dazu Gary und Chester Pipkin für Barabara and the Castles’ B-Seite „Stoney Face“ von 1966 sowie Art Wheelers A-Seite auf Cee-Jam #4 „That’s How Much I Love You“ von 1966, für das Chester auch als Arrangeur und Dirigent angegeben ist. Einer der Pipkins ist zudem Autor von „Everybody Philly“, das 1966 von den Citations auf Princess 54-A erschien.)

Von Ruby-Doo #2 sind uns midenstens zwei Ausgaben sicher bekannt. Während die vermutete Originalausgabe auf orangefarbenem Label mit waagrechten Balken und (natürlich) ohne „RE-I“-Ritzing im Spiegel auskommen wird (in der Tabelle oben: orange), ist unser Exemplar bzgl. des Zustands, des Preises und der Spiegelangabe als Wiederausgabe zu erkennen (o REI wb). Zudem liegen uns Scans einer gleichgestalteten Ausgabe ohne Balken vor (o REI wob).

„Little Girl Of Mine“ wurde in der Electras-Formation Chester und Gary Pipkin, Warren Joyner und Billy Mann aufgenommen, wobei letzterer ausnahmsweise die Leadvocals übernahm. Das Lied stammt aus der Feder von Herbert Cox (*1936) und Morris Levy (1927-1990). Levy war der Boss von Roulette Records und ein hochproduktive Songschreiber für R&B- und Doo-Wop-Gruppen. „Little Girl Of Mine“ wurde 1956 erstmals von den Cleftones auf Gee aufgenommen, bei denen der Co-Autor Herb Cox der Leadsänger war. Folglich handelt es sich bei der Electras-Version um ein Cover-Stück. Als Verlag wird Nom Music (BMI) angegeben, dem Verlag Levys. Inzwischen wird der Song von EMI Longitude Music vermarktet. Die Quellenangabe rekurriert wie Ruby-Doo #1 auf die Cee-Jam-Zählweise und reiht die Ausgabe als achte Cee-Jam-Veröffentlichung ein, allerdings ohne tatsächlich auf Cee-Jam jemals erschienen zu sein.
„Mary Mary“, das von den Electras Gary und Chester Pipkin, sowie Brice Coefield geschrieben wurde und in der Formation Billy Storm, Rip Spencer, Brice Coefield, Chester Pipkin, Billy Mann und Warren Joyner bereits 1965 aufgenommen wurde ist eine Wiederveröffentlichung der schwarzen Lola #001-B. Dabei hören wir Brice als Leadsänger. Sowohl Quellen- als auch Spiegelangabe bestätigen das in ungewöhnlich vorbildlicher Weise. Wie bereits auf Lola treibt auch für diese Ausgabe von 1966 John Marascalcos Verlag Robin Hood Music die BMI-Gebühren ein.

(Hier folgt in Kürze eine detaillierte Besprechung der weiteren Ruby-Doo Singles, bis dahin lediglich die Scans der uns vorliegenden Scheiben.)

Ruby-Doo #3 - The Peppermints - My First Love / My First Love

   


Ruby-Doo # 4 - Luis Alvarez - Samba De Orpheus / El Corrido

   


Ruby-Doo #5 - The Trippers - Taking Care Of Business

    


Ruby-Doo #6 - Barbara and the Castles - Don't Hurt Me Baby / Stoney Face

   


Ruby-Doo #7 - The Soul Benefit - Yes Sir That's My Baby / Charlena

   


Ruby-Doo #10 - The Joint Effort - Loving You Could Be Magic / Coming Home To You Baby

   

Bootleg

Im weltweiten Informationsnetz kann man eine Single erstehen, die auf der einen Seite mit unserer Ruby-Doo #2 A identisch scheint, deren andere Seite allerdings ein Aufkleber von Oriole Records ziert und den Soul-Klassiker "Money" in einer Version von Buddy Britten and the Regents präsentiert. Wir entdecken allerdings schnell den Hinweis "Taken From The LP / CD Greasy Rock N Roll Vol 4". Das ist zwar einerseits eine wertvolle Information, dass dieser Electras-Hits für einen Sampler wiederverwendet wurde, andererseits der Beweis, dass es sich hier um ein Bootleg handelt, was wir selbstverständlich verabscheuen. Der Verkäufer der Ausgabe vermutete, dass es sich um eine pakistanische Pressung handelt.


Quellen:
Die Quellenlage zu Ruby-Doo Records ist denkbar beschissen. Von den folgenden Informanten haben wir unsere Informationshäppchen:
- Einmal mehr Marv Goldbergs R&B-Notebook mit dem Artikel zu den Valiants/Electras
- Persönliche Mitteilung Denver Harvey, ihres Zeichens Burnette-Brothers-Expertin
- Persönliche Mitteilung Rich Cliburn von den Trippers 

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 24. April 2012 )
 
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